Das Aus vom Verbrenner-Aus

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00:00:01: Porsche präsentiert Elektrogeflüster. Faszination Sportwagen. Elektrifiziert.

Andi: Neues Jahr, neue Folge Elektro Geflüster. Herzlich willkommen zurück, Wilma. Ich hoffe, du bist gut durch die Feiertage gekommen, gut ins neue Jahr gestartet. Auch herzlich willkommen von mir zurück. Ja, ganz entspannt. Ganz entspannt. Das ist schön, weil noch bevor das alte Jahr vorbei war, schwappte ja so eine Meldung durch die Medien, die vor allen Dingen Freunde und Freundinnen des Verbrenners wahrscheinlich gefreut haben dürfte, von vielen Experten aber sehr kritisch beobachtet wurde. Und zwar geht es um das Aus vom Verbrenner aus. Haben ja vielleicht unsere HörerInnen auch vielleicht schon vernommen von dem. Also es geht eigentlich darum, 2022 hat die EU ja beschlossen, dass ab 2035 keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor neu zugelassen werden dürfen. Und das soll jetzt anscheinend wieder gekippt werden. Also es ist noch nicht hundertprozentig durch. Es muss dann auch noch durchs Parlament oder durch die einzelnen Kammern in der EU. Aber es sieht doch so aus, als wenn es jetzt doch nicht mehr dieser harte Bruch weg vom Verbrenner kommt. Grossen Anteil daran. hat natürlich auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz. Und genau um dieses Aus vom Verbrenner aus, darüber wollen wir heute diskutieren, ob das gut ist, ob das schlecht ist oder worum es da eigentlich geht.

Wilma: Weil du es gerade angesprochen hast, ob unsere Zuhörerinnen und Zuhörer sich mit dem Thema auch schon auseinandergesetzt haben. Haben sie.

Andi: Ja.

Wilma: Und zwar würde ich dazu am liebsten gerne mit einem Kommentar starten, den die Frana Baumann geschrieben hat. Und zwar gibt es jetzt ja noch ein neues Schlagwort vom EU-Vorstoss von März. Hocheffizienter Verbrenner. Nur weiss weder März noch irgendwer von den hochbezahlten Spezialisten, was das denn eigentlich sein soll. Laut Pressesprecher vom Bundesamt, ein hocheffizienter Verbrenner sei halt nun mal ein hocheffizienter Verbrenner. Mehr muss man dazu nicht sagen. Herzlichen Dank. Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

Andi: Hocheffizienter Verbrenner liest man wirklich häufig in letzter Zeit. Was das genau sein soll, die Verbrenner, die heute auf dem Markt sind, effizienter können sie fast nicht mehr werden. Man spricht ja auch immer von diesem Wirkungsgrad, maximal 50 Prozent beim Verbrenner. Also effizienter können sie gar nicht mehr werden. Ein anderer Kommentar ist auch noch reingekommen von Bernhard Thiel. Wenn Merz und Reiche an den ganzen fossilen Brenn- und Kraftstoffen festhalten wollen und sich der Konsequenzen bewusst sind und trotzdem daran festhalten, dann sind sie Verbrecher und gehören ins Gefängnis und nicht in die Politik. Also anscheinend, zumindest die zwei Kommentare sind doch schon mal ziemlich eindeutig, was unsere HörerInnen zu dem Thema denken.

Wilma: Ja, aber wie gesagt, es ist wie so oft beim Thema E-Mobilität, schwarz oder weiss. Bevor wir darauf eingehen, würde ich am liebsten noch mal schnell die aktuelle Situation aus dem letzten Jahr angucken, wie es in der Schweiz eigentlich im Moment um den Verbrenner steht. Wir haben eine ganze Folge zugemacht, aber die neuesten Zahlen von Autoschweiz sind jetzt draussen. Steckerfahrzeuge, also Voll-Elektro- und Plug-in-Hybrid, haben in der Schweiz ein Marktanteil von 34 Prozent erreicht letztes Jahr. und entspricht nicht ganz den 50 Prozent, die man angestrebt hatte. Aber es zeigt sich dennoch eine Verschiebung auf dem Markt. Vor allen Dingen sind die Verkaufszahlen wirklich der klassischen hocheffizienten Verbrenner ziemlich abgesunken. Benziner 20 Prozent, Dieselfahrzeuge sogar um 30 Prozent. Spannend fand ich dann aber, dass der TCS hat auch noch eine Jahresanalyse rausgegeben. Da stand jetzt, dass aktuell aber nur acht Prozent aller Fahrzeuge, wirklich E-Fahrzeuge in der Schweiz wären.

Andi: Ich habe mir die Zahlen auch ein bisschen angeguckt. Es ist schon ein krasser Anstieg jetzt letztes Jahr gewesen. Vor allem auch vor dem Hintergrund, vor den doch wirtschaftlich eher schwierigen Zeiten, weil es wurden jetzt knapp ich glaube 225.000 Autos verkauft letztes Jahr in der Schweiz. Das ist wirklich eine der Seit ganz langer Zeit wirklich eine ganz tiefe Zahl, also in den besten Jahren so vor Pandemie hatten wir 300.000 pro Jahr, also wirklich knappes Viertel weniger. Entsprechend enttäuscht sind halt die Importeure, die Importeursvereinigung. Wenn man sich dann aber die Zahlen, wie du es eben schon angesprochen hast, genauer anguckt, also etwa ein Drittel sind Steckerfahrzeuge, nochmal ein Drittel sind Hybride, also die man nicht aufladen kann, die einfach nur noch ein Hybridmodul drin haben und das ist wirklich nur noch, nochmal knapp ein Drittel sind wirklich nur noch reine Verbrenner, also ich glaube 25% Benziner und dann noch ich weiss nicht, sechs, sieben Prozent Diesel. Aber da sieht man schon diese Tendenz, dass wirklich die reinen Verbrenner, das ist wirklich eine aussterbende Fahrzeuggattung. Aber weil du noch den Gesamtfahrzeugbestand angesprochen hast, das ist ja auch noch ganz interessant, beziehungsweise das ist ja auch der Grund, warum dieses Verbrennerverbot, das faktische, für Neuwagen ab 2035 beschlossen wurde, weil wenn du überlegst, eben, Runden wir es jetzt mal auf. In der Schweiz werden 250.000 Autos im Jahr verkauft. Der Fahrzeugbestand in der Schweiz sind etwa knapp unter 5 Millionen Autos auf unseren Strassen. Dann bist du auf irgendwie 15 bis 20 Jahre, bis du diesen Bestand ausgetauscht hast. Deswegen liegt es auf der Hand, dass in der Schweiz im Moment nur 8% Steckerfahrzeuge oder reine Stromer fahren. Es dauert einfach unheimlich lange. Das heisst, wenn Wenn die Verbrenner ab 2035 verboten werden, bis dann wirklich in der EU mal alle Verbrenner effektiv von der Strasse sind, dauert es dann halt bis 2050 oder länger. Und ab 2050 will ja die EU eigentlich klimaneutral sein, also keine schädlichen Treibhausgase wie CO2 mehr ausstossen. Genau, und jetzt mit diesem Rückzug, also mit diesem Aus vom Verbrenner aus, sehen jetzt halt auch viele Expertinnen, sehen jetzt halt auch die Klimaziele gefährdet, die sich die EU eigentlich gesetzt hat.

Wilma: Ich glaube, es war mal ganz gut, auch so zu erklären, warum man 2035 gesagt hat. Also ich glaube, das war vielen gar nicht so bewusst, wie eigentlich diese Zahl zustande gekommen ist. Aber indem man jetzt das Aus des Verbrenner-Aus wieder diskutiert, ist das denn wirklich ein Rückzug oder ist das mehr Realitätscheck? Wir haben gerade geschaut, die Neuzulassungen sind noch nicht auf dem Niveau, was man erreichen wollte, auch in der Schweiz nicht. In anderen Ländern sieht es nicht anders aus. Die Konsumenten sind halt noch verunsichert. Wir haben jetzt oft drüber gesprochen, fehlende Ladeinfrastruktur, Teure Autos, viele grosse Autos, auch wenn jetzt dieses Jahr viel Neues auf den Markt kommt. Aber was denkst du? Ist es ein Rückzug?

Andi: Also, wo du sicher recht hast, eben gerade bei der Ladeinfrastruktur, Stichwort Recht auf Laden, was wir auch in den vorhergehenden Folgen ab und zu diskutiert haben, dass wirklich auch Mieter das Recht haben, zu Hause laden zu dürfen oder sich eine Ladestation zulegen zu dürfen. Muss nicht nur die Schweiz, sondern viele andere Länder Europas müssen da wirklich noch dringend nachlegen. Ich bin jetzt über die Feiertage bin ich auch mal wieder zu meinen Eltern gefahren. Natürlich mit einem Elektroauto. Für die, die es interessiert, kommt auch demnächst im Sonntagsblick dann der Bericht. Ein Skoda Elrock haben wir gerade im Dauertest. So ein Kompakt-SUV. Ging wirklich super. Allgemein auf der Langstrecke zu laden, aber Als ich dann bei meinen Eltern war, sie wohnen beim Harz, also so 700 Kilometer von hier entfernt. Ist jetzt wirtschaftlich auch nicht so, das boomt jetzt nicht so. Da fahren auch noch nicht ganz so viele Elektroautos, also man sieht schon immer mehr, aber die Ladeinfrastruktur, die öffentlich ist, wirklich noch nicht super ausgebaut. Ich wollte dann irgendwo auf einem Supermarktparkplatz laden, dann ging es zuerst mit meiner Karte wieder nicht, dann musste ich wieder so ein QR-Code scannen, dreimal die Kreditkarte hinterlegt, das ging immer noch nicht. Am Ende habe ich dann beim Nachbarn gefragt, weil der hat auch ein Elektroauto, also bei meinen Eltern, und habe dann da das Elektroauto geladen, aber es ist einfach verdammt mühsam, wenn das einfach mit diesem Laden nicht funktioniert. Und genau das hat ja auch der Nachbar gesagt, der hat ähnliche Erfahrungen. Und das ist halt auch so ein, ja, wenn das nicht funktioniert, dann wird es halt schwierig, dass die sich jetzt wirklich schnell durchsetzen. Aber um jetzt auf deine andere Frage nochmal zurückzukommen, es ist ja eben kein abruptes Ende des Verbrenners, weil 2035, wenn du überlegst, wir fangen jetzt an 2026, es sind halt noch zehn Jahre. Also die Industrie oder auch die Kunden, alle haben jetzt ja, oder es wurde ja eben 2022 beschlossen, also es sind ja noch so Zeithorizonte, wo man ja schon noch ein bisschen Zeit hat, sich darauf einzustellen, umzustellen. Die EU hat das einfach damals wirklich schlecht verkauft. Verbot, ja, doch, man kann es eigentlich schon Verbot nennen, aber im Prinzip, was das EU-Gesetz vorgesehen hat, dass es sich ausschleicht quasi. Genau, dass man sagt, man hat immer 2021 als Referenzjahr genommen. Man geht ja immer vom CO2-Ausstoss aus, der war da irgendwie 120 Gramm pro Kilometer. Und das sollte jetzt sukzessive gesenkt werden, also bis 2030 um 55 Prozent und dann bis 2035 um 100 Prozent. Und die neue Regelung sieht eigentlich vor, dass die Reduzierung bis 2035 um 90 Prozent, soll es jetzt reduziert werden, das CO2. Da wären wir dann noch bei 11 Gramm.

Wilma: Ja. Die Diskussion war ja auch, ob die Industrie jetzt mehr Planungssicherheit dadurch hat oder ob es jetzt doch zum grossen Chaos kommt. Wenn so ein Enddatum einfach nicht mehr da ist ... Jetzt war immer 2.35 Uhr, das wussten alle Hersteller und konnten sich darauf vorbereiten. Jetzt ist das irgendwie so offen. Es ist noch nicht wirklich gesagt worden, wann es denn dann wirklich null oder 100 Prozent sein soll. Dann fehlt wahrscheinlich irgendwann der Druck. dass die Leute das auch durchsetzen. Und auf der anderen Seite gibt's halt die Autolobby. Die haben der Fond allein, glaub ich, auch dazu einen Brief geschrieben und reden immer von der Technologieoffenheit, dass man einfach offen sein soll. Auch für andere Sachen wie Wasserstoff, also andere Antriebsarten wie Wasserstoff, wie E-Full, haben wir auch schon drüber gesprochen. Okay, und nur fürs Protokoll, also das Wort Technologieoffenheit, find ich einfach nur schlimm. Also ist so, als wenn du ... so eine Wandergruppe sich für richtungsoffen entscheidet und einfach irgendwo nur durch den Kreis rennt. Also es ist halt nichts halbes und nichts geahntes.

Andi: Ja, das ist, finde ich, noch ein lustiges Beispiel. Ja, definitiv. Also Technologieoffenheit neben hocheffizienten Verbrenner. Es landet bei mir ganz oben bei den Unwörtern des Jahres 2025. In Folge 8 haben wir ja auch schon darüber gesprochen mit E-Fuels betriebene Autos. Du brauchst erstmal ganz ganz viel grünen Strom, weil es bringt ja nichts mit Kohle Strom oder so die Energie aufzuwenden und eben mit E-Fuels betriebenes Auto braucht einfach sechs mal mehr Strom. Als wenn du den Strom dann direkt für den Antrieb in einem Elektroauto benutzt. Bis wir das ansatzweise in Europa produzieren können, geht er immer noch wahnsinnig lang. Deswegen eben lieber das jetzt mal für unsere Stromer nutzen und lieber die E-Fuels für eben für Flugzeuge, für Schiffe, einfach Branchen, die du nicht elektrifizieren kannst. Oder auch für die Bestandsflotte. Weil eben, nach 2035 werden ja immer noch Verbrenner rumfahren. Das heisst ja nicht, weil keine zugelassen werden, dass auf einmal keine mehr auf der Strasse sind. Also wir haben dann ja trotzdem noch Millionen Autos auf unseren Strassen, die ja immer noch getankt werden müssen. Und dann würde ich aber eher diese E-Fuels dann für die Autos einsetzen, die schon da sind und nicht noch mehr Verbrenner bauen, die dann auch noch mehr E-Fuels brauchen. Dieses Technologieoffenheit. Du hast gesagt, die Autolobby. Ich bin mir eben gar nicht sicher, Ich bin mir auch nicht sicher, ob wirklich auch die ganze Autoindustrie das jetzt so toll findet, diesen Entscheid. Darüber sprechen wir dann später noch, aber an diesem Status quo festzuhalten, obwohl du siehst, die ganze Welt ändert sich, ein voran China. Und ich glaube, es ist für die Industrie eher kontraproduktiv, wenn du jetzt noch länger an der alten Verbrennertechnik festhältst, Ich habe ganz viel Podcast gehört, als ich zu meinen Eltern gefahren bin. Es dauert ja trotzdem, obwohl ich sehr gut vorangekommen bin, aber so sieben, acht Stunden fährt man dann ja trotzdem. Auch mit Ladestops, mit Nuggetpause. Und da habe ich jede Menge Podcast gehört, unter anderem Fest und Flauschig von Olli Schulz und Jan Böhmermann. Hast du vielleicht schon von gehört? Also von Jan Böhmermann schätze ich mal schon. Er

Wilma: ist ja

Andi: recht bekannt. Und er ist überzeugter E-Auto-Fahrer seit vielen Jahren und in der Folge vom 13.12. hat er doch ziemlich deutlich gesagt, was er vom drohenden Verbrenner aushält. Das hören wir uns mal kurz an.

Zitat Jan Böhmermann: Dass die wirklich jetzt allen Ernstes durchgesetzt haben, dass das Verbrenner-Aus später kommt, also dass der Druck auf die deutsche Autoindustrie nicht mehr ganz so stark ist, weil mal ganz ehrlich, deutsche Elektroautos gibt es einfach keine geilen.

Andi: Er sagt das halt ziemlich drastisch, aber im Kern eben. Es ist relativ unsinnig, das jetzt auch weiterzuführen.

00:13:38: «Porsche» präsentiert «Elektrogeflüster». Faszination Sportwagen. Elektrifiziert.

Wilma: Du hast es gerade schon angesprochen. Viele sagen, dass das für die europäischen Autobauer ist. Wenn sie länger Verbrenner verkaufen können, spült das mehr Geld in die Kassen und das sei wichtiger. Man könne auch längere Brückentechnologien verwenden, wie Range Extender oder Plug-in-Hybride. Klingt ja

Andi: erst mal positiv. Klar, ja, es hört sich zuerst mal positiv an. Ich denke, mit dem länger Verbrenner verkaufen, das wird wahrscheinlich sogar auch so sein. Aber es schafft halt wieder, wie ich es eben schon kurz angeteasert habe, es schafft einfach wieder so neue Unsicherheiten, neue Probleme. Denn es sendet erst mal an die Autokäufer, gerade in Deutschland oder nicht nur in Deutschland, aber alle, die das jetzt mitkriegen, die denken, ja, also wenn die Politik jetzt doch sagt, ein Verbrenner wollen wir jetzt doch noch nicht abschaffen, vielleicht sind dann die Elektroautos ja doch auch nicht der Antrieb der Zukunft oder die Zukunftsmobile. Also manche haben sich dann vielleicht überlegt, soll ich mir ein Elektroauto kaufen und die denken jetzt, nee komm, dann kaufe ich doch lieber erstmal wieder einen Verbrenner, wenn jetzt die EU sogar sagt, wir wollen das verlängern. Das ist erstmal wirklich ein ein ganz schlechtes Signal und am Ende wird die ganze Elektrifizierung verzögert. Also es werden noch länger Verbrenner verkauft und eben die CO2 oder die Emission wird einfach noch länger ausgestossen. Das führt dann wieder dazu, So ein Umweltverband, Transport and Environment, das ist so ein grosser europäischer NGO, die gehen von bis zu 25 Prozent weniger E-Auto-Zulassung im Jahr 2035 aus, wenn dieses Aus vom Verbrenner aus jetzt kommen sollte. eben entsprechend tiefer ist die CO2-Reduktion. Die gesteckten Klimaziele bleiben auf der Strecke. Es ist einfach wirklich ein fatales Signal aus meiner Sicht.

Wilma: Ja, vor allem, also Unsicherheit herrscht ja sowieso, glaube ich, grosse. Du hast eben da schon mal das über die CO2 gesprochen, was das eigentlich bedeutet hat und dieses sukzessive Runterfahren. Jetzt steht die Zahl 90 statt der Zahl 100 im Jahr 2035 im Raum. Was heisst denn das eigentlich? Weil so... Ja, massiv klingt das jetzt nicht, der Unterschied.

Andi: Es ist auch wirklich, es ist ein bisschen komplex. Ich hoffe, ich erkläre das jetzt auch richtig oder so, dass man es versteht und dass es wirklich nicht zu zahlenlastig jetzt wird. Eben, im Jahr 2021 dürfte ein Auto, also wenn du, sage ich mal, alle Autos, die VW im Jahr in der Schweiz verkauft, Wir durften im Schnitt 110 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Das steht ja immer in der Energieetikette. Kann man bei jedem Auto, also jeder, der ein Auto hat, kann das nachgucken im Internet oder gerade im Fahrzeug. Nee, da ist es wahrscheinlich nicht drin. Aber du siehst immer, wie viel Gramm CO2 pro Kilometer dein Auto ausstösst. Eben im Jahr 2021 waren das 110. die erlaubt waren. Wenn dieser Wert höher war von allen Autos, dann musste der Hersteller oder der Importeur Strafe zahlen. Und für 2035 sind dann noch sind dann quasi noch 10% von diesen 110 Gramm, ich habe vorhin versehentlich 120 Gramm gesagt, 110 Gramm. Das heisst, Neuwagen dürfen im Jahr 2035 jetzt mit der neuen Verordnung, wenn die kommt, noch 11 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Also das ist extrem wenig. Das schaffen dann höchstens Plug-In-Hybride zum Beispiel, die die einen Elektromotor und einen Verbrenner haben, aber wenn du die dann halt zu 90 Prozent oder was weiss ich, wenn du die halt die meiste Zeit elektrisch fährst, dann kommst du vielleicht auf so ein Werk, wenn du den Verbrenner wirklich nur ganz, ganz selten nutzt. Nur das Problem ist bei den Fahrzeugen, die müssen dann halt auch immer geladen werden und das bringt nichts. Ich kann ja auch einen Plug-In Hybrid, ich kann den leer fahren und ich kann einfach nur mit dem Benziner fahren, geht auch, aber dann verbrauchst du halt nicht mehr die 0,9 Liter pro 100 Kilometer, die im Prospekt stehen, plus den Strom. Sondern dann bist du auf einmal auf 8 Liter. Also du siehst, das ist dann irgendwie 8-9 mal wieder so viel. Und dann stimmen diese Zahlen natürlich vorne und hinten nicht mehr. Und das müsste die EU theoretisch, wenn sie es konsequent durchsetzen soll, müsste sie quasi die Bordcomputer, jedes Mal wenn das Auto ins Service geht, kannst du auswerten, wie viel bist du elektrisch gefahren mit einem Plug-in-Hybrid. Das kann man auswerten. Aber das müsste dann quasi immer kontrolliert werden. Und wenn dieser Wert dann nicht eingehalten wurde, ja, aber er wird dann gebüsst. Ist das dann der Halter, der gebüsst wird? Oder kann vielleicht auch der Hersteller? Keine Ahnung. Auf jeden Fall, es gibt wieder eine Menge Bürokratie. Irgendwelche Strafzahlungen, die die EU ja eigentlich vermeiden will, auch mit den neuen Verordnungen. Und deswegen der bürokratische Aufwand, es ist einfach ... Es ist einfach riesig, es ist einfach gar nicht machbar in der Praxis. Also ich sehe da jetzt auch den Benefit nicht von dieser Regelung, dass man jetzt so ein bisschen lässt man jetzt so stehen, einfach, dass man sagen kann, hey, wir haben doch kein Verbot, so ein ganz bisschen Verbrenner dürfte ja doch noch. Einfach, dass man nicht sagt, wie... Einmal im Monat darfst du noch Fleisch essen, sonst nicht. Aber einmal im Monat darfst du jetzt doch noch. Ja,

Wilma: wie wir eben gesagt haben, nichts Halbes und nichts Ganzes. Dann aber gibt's natürlich viele, die sagen, das Verbrenner auskillt Arbeitsplätze. Gerade bei den Zulieferern. Ja, da hat der Herr Böhmermann auch was Feines zu gesagt. Nachdem du mir erzählt hast vom Podcast, hab ich auch reingehört. Und er hat natürlich mal wieder eine sehr klare Meinung dazu.

Zitat Jan Böhmermann: Das ist nur mein politischer Appell, weil es sonst keiner macht. Fick die Verbrenner. Es ist mir scheissegal, wenn Zulieferbetriebe pleite gehen, die Verbrenner teilen. Es ist wirklich, irgendwann ist es hart, aber muss gemacht werden. Man muss da mal durch durch den Strukturwandel. Verbrenner is over. So,

Wilma: jetzt hat es mal einer gesagt. Kam nicht ganz bei allen gut an. Ich habe dann auch mal Kommentare dazu gelesen. Und natürlich, Leute, die in der Zuliefererbranche arbeiten, stimmen ihm natürlich jetzt nicht zu. Und es ist ja so, die Zuliefererbranche ist gross in Europa, in Deutschland, vor allem auch in der Schweiz. Und ich habe dazu mal ein paar Zahlen einfach rausgesucht. Ein Big Player wie Continental oder auch Bosch, die haben noch viele andere Sparten, mit denen sie Geld verdienen können. Aber so ganz kleine Unternehmen, die irgendwie spezialisierter sind. Zum Beispiel in Deutschland waren es im Jahr 2018 noch 310.000 Menschen, die in der Branche gearbeitet haben. Ende 2024 nur noch 267.000. Man geht irgendwie davon aus, dass im Jahr 2030 es nur noch 200.000 sind. Und auch Zahlen auf der Schweiz. In der Schweiz sind ungefähr 600 Betriebe, die sich als Zulieferer tätig sind. Und das sind auch 34.000 Arbeitsplätze. Und deshalb, also das muss man ja eigentlich auch sehen.

Andi: Muss man auch sehen, aber es ist auch trotzdem dann wieder ein bisschen ... ein bisschen fadenscheinig, das dann nur auf die Arbeitsplätze retten zu wollen, weil wenn wir davon ausgehen, wovon wirklich mittlerweile 99 Prozent der Experten davon ausgehen, dass sich die Elektromobilität zumindest in Europa auf kurz oder lang durchsetzt. Da muss sich die Industrie eh früher oder später und eher früher, lieber früher als später, muss sie sich umstellen, weil eben wenn du dann zwei Technologien, du musst immer noch am Verbrenner weiter, es sind immer noch Investitionen, die du auch im Verbrenner stecken musst, Und dann, wenn du andere Länder, eben China anschaust, die jetzt wirklich schon voll auf Elektro sind, wo schon 50% aller Autos sind heute schon elektrisch. Und der Rückstand wird einfach immer grösser, umso länger wir warten, umso länger auch die Zuliefererbetriebe warten. Weil ich meine, ja, früher haben die Leute auch gesagt, nee, wir bleiben bei den Pferdekutschen, ich will jetzt trotzdem noch weiter Kutschen herstellen, ich stelle sicher nicht aufs Auto um. Ja, irgendwann gab es kaum noch Kutschen und dann gehen ja alle Arbeitsplätze verloren. Deswegen ist es doch besser, wenn du jetzt, klar werden wahrscheinlich Mitarbeiter entlassen, aber zum Beispiel auch in der Schweiz gibt es schon ganz viele Zuliefererbetriebe, Die zum Beispiel Dämmstoffe brauchst du im Elektroauto viel mehr als beim Verbrenner. Auch so für Akustik und so, weil ein Elektroauto halt auch viel leiser ist. Und es gibt wirklich schon viele Betriebe, innovative Betriebe, die sich halt auch schon umgestellt haben auf Elektro. Und ich glaube, dieser ganze eben, so ein Strukturwandel, wie es auch Jan Böhmermann gesagt hat, eben der kommt, ob wir wollen oder nicht. Und entweder geht er mit und er greift jetzt schon mal die Chance umzustellen, auch wenn es schwierig ist natürlich. Wandel ist immer. Das Leben ist Wandel. Wandel ist immer schwierig. Niemand will Wandel. Aber der Wandel ist da. Ja, wenn wir jetzt warten, wird der Rückstand einfach immer grösser. Und am Ende geht die ganze Industrie pleite. Das wollen wir ja auch nicht. Deswegen, äh, ja. Und jetzt dann zu sagen, eben Verbrenner dürfen mal noch. Eine Lösung von der EU ist ja auch noch, die Autos werden damit zur Kompensation mit grünem Stahl dann gebaut. Oder eben mit CO2-armen Kraftstoffen dürfen sie nur noch fahren. Am Ende hilft das der Industrie dann auch nicht

Wilma: weiter. Ich gebe dir natürlich auch recht. Wir haben es alle gesehen. Die ganzen grossen Hersteller haben massiv in den letzten Jahren in den Ausbau ihrer E-Sparte investiert. BMW hat mit der neuen Klasse milliardenschwere Investitionen getätigt und spricht selbst davon, dass die grösste in der ganzen Unternehmensgeschichte ist. Audi hat eine Zahl publiziert, zwischen 24 und 28 knapp 30 Milliarden Euro in die E-Mobilität, aber auch Digitalisierung zu stecken. Und dann gibt es aber auch welche wie Ford. Ich glaube, das ist gerade jetzt kürzlich rausgekommen, die ganz klar sagen, okay, wir haben uns verkalkuliert, wir müssen Milliarden abschreiben, weil das mit den E-Autos bei uns nicht so gut funktioniert. Modelle werden, glaube ich, auch nicht mehr produziert und eingestellt. Ich glaube, es ist einfach Verunsicherung, die du auch eben schon angesprochen hast, weil jetzt die Hersteller auch nicht mehr so genau wissen, wohin geht die Reise.

Andi: Ja, also ich glaube, gerade auch beim Beispiel Ford, eben, ich glaube, sie stellen jetzt auch den F-150 Lightning, also diesen fetten Pickup. F-150 ist ja seit, was weiss ich, 40 Jahren meistverkauftes Auto in Amerika, also USA. Und da gibt es jetzt auch seit ein paar Jahren, gibt es auch eine vollelektrische Version, der nicht so läuft, wie er soll. Sie haben da viel Geld investiert und der kommt nicht an bei den Kunden. Hat wahrscheinlich mehrere Gründe, zum einen wirklich die Truckfahrer, gerade in Amerika. Ja, ich glaube die sind halt noch ein bisschen schwieriger von E zu überzeugen, als jetzt irgendwie so, wenn du an der Westküste wohnst und dir deinen Tesla kaufst zum Beispiel. Ich glaube gerade in der Fahrzeuggattung war es schwer und dazu muss man sagen, Sorry Ford, aber es waren viele Produkte noch einfach nicht gut. Also ich weiss noch gut, das ist ganz lange schon her, aber es gab mal so einen Ford Focus, den es ja glaube ich jetzt auch noch gar nicht mehr gibt. Aber den Focus hatten sie irgendwann noch mal elektrifiziert. Ich habe noch nie so ein schlimmes Elektroauto gefahren, also mit 100 Kilometer Reichweite zum Preis von, ich weiss es nicht mehr. Klar, Ford ist jetzt viel weiter, haben ja auch mit VW eine Kooperation, wo sie auch Ford Capri und den Explorer, also nicht den grossen aus Amerika, sondern der für Europa, Die Autos sind nicht so schlecht, aber für den Preis sind sie halt auch nicht wahnsinnig toll. Jetzt hatten wir gerade den kleinen Ford Puma Gen E. Das ist also das meistverkaufte Auto von Ford in Europa. Haben sie auch elektrifiziert. Wir hatten ihn kürzlich und wenn du eine Reichweite von 250 km hast, zahlst du dann trotzdem über 40.000 €. Ah, das ist klar, dass die Kunden das nicht kaufen. Sie mussten immer zweigleisig fahren, haben ein bisschen falsch investiert. Die Produkte waren nicht wahnsinnig dolle. Jetzt wollen sie es anders probieren. Eher noch mit kleineren Elektroautos. Mal schauen. Könnten, glaubt, steht auch in diesem neuen Papier von der EU, dass kleinere Elektroautos auch indirekt gefördert werden sollen, dass die Hersteller das quasi mehr anrechnen können in ihre Flotte, dass dann quasi der der Gesamt-CO2-Ausstoss dann sinkt. Kleine Autos du baust, was dann letztlich auch, also kleine europäische Autos, sagen sie explizit. Also keine chinesischen Kleinwagen, sondern es sollten dann wirklich europäische sein. Die europäischen Hersteller profitieren, wenn sie mehr kleinere Autos anbieten. Finde ich eigentlich noch einen ganz guten Anreiz, ja. Aber irgendwie die europäische Autoindustrie muss sich definitiv anstrengen. VW kommt ja jetzt dieses Jahr mit ganz vielen Kleinwagen. Mal schauen, wie das bei den Kunden jetzt ankommt.

Wilma: Ja, das ist ja genau das, was wir eingangs gesagt haben. Anreize schaffen für die E-Mobilität. Und wenn man den Herstellern sagt, pass auf, es gibt da jetzt, wenn ihr mehr Kleinwagen herstellt, fördern wir euch, ihr bekommt irgendwie Zuschüsse oder ihr werdet nicht benachteiligt an gewissen Punkten, dann macht das ja viel mehr Sinn als ein Verbot. So, oder diese ganzen Strafzahlungen, die da immer irgendwo rumschweben. Ich glaube, in der Schweiz ist auch gerade, steht wieder überall, die Schweizer Importeure, Millionen, die da auf sie zurasseln, angeblich dieses Jahr.

Andi: Ich bin dann gespannt, wie viel es dann wirklich werden, weil Auto Schweiz, der Importeursverband, die sprechen ja auch immer von... Sie drohen ja immer ganz, ganz grosse Zahlen an, Strafzahlungen und am Ende sind sie dann aber relativ gering. Also ich weiss nicht, ob die offiziellen Zahlen jetzt schon draussen sind. Ich denke es nicht. Müssen wir mal verfolgen, wie viel Strafzahlungen jetzt wirklich auf die Schweizer Importeure zukommen. Weil du gesagt hast, man sollte sie lieber fördern, Anreize schaffen. Ein gutes Beispiel ist ja zum Beispiel Norwegen, wo jetzt, kann man jetzt auch aktuelle Zahlen, 98 Prozent aller Autos sind, ich weiss nicht, nur Stromer sind oder auch Steckerfahrzeuge, also auch noch Plug-in-Hybride sind. 98 Prozent aller verkauften Autos elektrifiziert in Norwegen letztes Jahr. Was machen die anders? Eben, die haben halt ganz früh angefangen, Elektromobilität zu fördern. Du hast Subventionen gekriegt, du hast ja auch noch so Benefits wie Du konntest die Busspur nutzen, du hattest gratis Parkplätze in Oslo zum Beispiel. Und gleichzeitig wurden Verbrenner immer massiver besteuert. Also es war da nicht ein Verbot von den Verbrennern, sondern wenn du einen Verbrenner fahren willst, musstest du halt richtig viel zahlen. Gibt ja auch andere Länder, Dänemark ist das auch so. Wenn du da ein Ferrari fahren willst, zahlst du halt das Dreifache wie hier zum Beispiel, oder? Okay. Und da geht es dann nicht mit verboten, sondern einfach, dass du es richtig förderst, richtig subventionierst oder eben besteuerst. Und so kannst du das dann auch steuern. Und vielleicht noch ganz witzig, weil wir es am Anfang ja von diesem Fahrzeugbestand hatten, auch wenn jetzt fast 100% Elektroautos in Norwegen verkauft wurden, Die E-Autos am Gesamtbestand sind nur, in Anführungszeichen, ein Drittel. Also zwei Drittel sind... Da braucht es auch noch ein bisschen Zeit. Es braucht einfach, bis der Bestand sich ausgetauscht hat quasi. Es dauert einfach ein bisschen. Oder was heisst ein bisschen? Es dauert halt 15, 20 Jahre, bis sich das alles ausgetauscht hat.

Wilma: Okay, dann gucken wir weiter nach Norwegen. Vielleicht können wir uns ein bisschen was abgucken.

Andi: Ja, gut, das Öl können wir uns nicht abgucken. Dadurch haben sie halt viel Geld, um das alles zu subventionieren. Sie verkaufen halt Öl und fördern E-Mobilität.

Wilma: Ich kann auch wieder ein zweischneidiges.

Andi: Ja, aber immerhin machen sie im eigenen Land schon mal was.

Wilma: Ja, wir haben eingangs zwei, drei Kommentare vorgelesen und Herrn Böhmermann gehört, es polarisiert einfach das Thema. Und wenn jetzt so ein Verbrenner aus, ist ja auch schon wieder so ein krates Wort, das Aus vom Verbrenner aus, dann unterstützt das das natürlich. Aber ja, wir bleiben weiter dran und freuen uns auch diesmal wieder über Kommentare. die wir immer gerne und rege lesen.

Andi: Danke Wilma, schöne erste diskussionswürdige Folge im neuen Jahr. Dann hören wir uns das nächste Mal zur neuen Folge Elektrogeflüster.

00:30:25: Porsche präsentiert Elektrogeflüster. Faszination Sportwagen. Elektrifiziert.

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