Bidirektionales Laden: Das E-Auto als Energiespeicher für das eigene Haus
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00:00:01: Porsche präsentiert Elektrogeflüster. Faszination Sportwagen. Elektrifiziert.
Wilma: Willkommen zu einer neuen Folge von Elektrogeflüster. Heute wieder mit einem Gast. Wir freuen uns, dass du da bist, Reto. Du bist Leiter der Mobilitätsgruppe bei Energie 360 Grad. Heute geht es um das Thema bidirektionales Laden, was ja immer öfter jetzt auch aufkommt im Bereich der E-Mobilität. Aber viele Leute wissen noch so gar nicht, was können sie darunter verstehen? Was bedeutet es auch für die Zukunft? Und ja, daher gleich zum Einstieg die Frage, was ist das eigentlich?
Reto Baschera: Zuerst ganz herzlichen Dank für die Einladung, dass ich heute hier sein darf. Bei bidirektionalem Laden geht es darum, dass man ein Auto nicht nur vollladen tut, sondern dass man auch den Strom, der in den Batterien ist, nutzt. Zum Beispiel, um sein eigenes Haus zu wärmen oder um am Abend Fernsehen zu
Andi: schauen. Reto, auch von meiner Seite, herzlich willkommen in unserem kleinen, feinen Studio. Für die, die es nicht kennen, was kann man sich darunter vorstellen im Bereich Slider-Mobilität? Was machst du so in deinem täglichen Job?
Reto Baschera: Ich koordiniere die Mobilitätsgruppe. Da gehören vier Firmen dazu. Einerseits Energie 63 Grad, es gehört aber auch GoFast dazu, Swisscharge dazu und Move, die hauptsächlich auch in der Romandie tätig ist. Und in dieser Rolle machen wir hauptsächlich Produkte für unsere Kunden. Kunden, die Privatkunden sein können, die unterwegs laden wollen, die aber auch zum Beispiel zuhause laden wollen. Aber unter anderem auch grosse Firmen, wie zum Beispiel Richemont oder Helvetia Valois, die wir mit unseren Lösungen bedienen.
Andi: Also alles rund ums Thema Laden ist das eigentlich, so ums E-Auto-Laden. Dann die Frage, kann ich mir fast schenken, weil ich weiss es jetzt von vorhin schon, also du fährst natürlich selber elektrisch. Wie lange schon? Bist du da schon, ist das vom Berufswegen her, fährst du jetzt schon
Reto Baschera: länger elektrisch? Ja, das ist natürlich so, es wäre, glaube ich, komisch, wenn ich nicht elektrisch fahren würde. Und ich bin wirklich ein Fan davon. Ich bin auch über den Berufswechsel, den ich vor zwei Jahren gemacht habe, in die Elektromobilität gekommen und total begeistert. Ja.
Andi: Kann denn
Reto Baschera: dein Auto theoretisch auch schon bidirektional laden? Mein Auto kann nicht bidirektional laden.
Andi: Okay. Eben genau, wir hatten jetzt darüber gesprochen, also bidirektional laden heisst also eben, der Strom fliesst nicht nur auf eine Richtung, sondern er fliesst eigentlich eben bidirektional, also zwei Richtungen, er kann sowohl rein als auch wieder raus fliessen. Welche Vorteile bringt denn So ein bidirektionales Laden, wenn man das jetzt mal so gross anreissen
Reto Baschera: will. Ich glaube, das ist sehr unterschiedlich pro Anwendungsfall. Wir können uns mal den ganz einfachen nehmen, ein Einfamilienhaus zum Beispiel. Ich habe mein Einfamilienhaus, ich habe vielleicht eine PV-Anlage, die produziert Strom am Tag durch. Und den Strom nutze ich, den lade ich mein Auto in dieser Zeit. Und am Abend komme ich nach Hause und will zum Beispiel Fernsehen schauen. oder meine Heizung, mein Hauswärmen über die Heizung, dann kann ich den Strom wieder nehmen, den im Auto ist. Der Vorteil ist natürlich, dass ich am Tag einen günstigen Strom habe, weil die PV-Anlage produziert gratis für mich selber und kann dadurch den günstigen oder gratis Strom nutzen für andere Anwendungen. Aus grosser Sicht kann das mittelfristig auch für die Stabilität des gesamten Stromnetzes in der Schweiz dienen und so die Wände in Richtung stärkerer Elektrifizierung unterstützen.
Andi: Um den Strom nutzen zu können natürlich aus der Photovoltaikanlage. Das Auto muss natürlich dann auch immer stehen. Also wenn ich natürlich nicht zu Hause bin, kann das Auto logischerweise keinen Strom aufnehmen. Also brauche ich dann theoretisch zum Beispiel, brauche ich eigentlich dann gar keinen Zwischenspeicher mehr zu Hause, wenn ich dann mein Auto nutze. Oder wahrscheinlich einen kleinen braucht es dann aber trotzdem noch.
Reto Baschera: Nicht einmal zwingend. Ich glaube, zum ersten Mal muss man verstehen, etwa 90-95% stehen private Autos. Die stehen entweder zuhause, wenn man zuhause ist, oder sie stehen am Arbeitsplatz, wo man arbeiten ist. Das heisst, eigentlich stehen die Autos relativ viel und in dieser Zeit kann man die Autos nutzen. Wenn man das Auto nachher nach Hause bringt, hat es ein Speichervolumen von 70 bis über 100 kWh. So ein Einfamilienhaus hat im Schnitt einen Verbrauch von 10 bis 15 kWh. Das heisst, die Menge an Strom am Tag reicht locker, um ein Haus für einen Tag oder zwei oder drei zu bedienen. dass seine Infrastruktur so gebaut hat, dass man wirklich das Auto nutzen kann. Da braucht man keinen kleinen Speicher mehr.
Wilma: Ja, ist das dann wirklich so, da hast du gerade schon ein bisschen erklärt, dass es wie so eine Powerbank ist? Weil ich musste gerade so ein bisschen daran denken, wenn ich dann bei meinem Arbeitgeber kostenlos laden kann, lade ich da den ganzen Tag, bringe das Ding heim und speise das quasi bei mir zu Hause ein.
Reto Baschera: Ja, das ist...
Reto Baschera: Also, es ist eine sehr grosse Powerbank. Da kannst du einen Haufen Handys draufladen oder, wie gesagt, du kannst etwa vier, fünf Tage dein Haus damit betreiben. Aber du sprichst einen Punkt an. Wir werden vermutlich nachher noch darüber sprechen. Es gibt schon Fragestellungen, die wir noch klären müssen, auch gesetzlicher Natur. Wenn du nämlich den Strom vom Arbeitgeber nimmst und am Abend bei dir wieder einspeist oder z.B. in einem Mehrfamilienhaus andere Mieten verteilst, dann machst du das Geschäft damit. D.h. wir werden in steuerliche Fragestellungen reinkommen. D.h. es gibt schon noch Fragen rund ums bidirektionalen Laden, die heute noch nicht gelöst sind. Und darum ist es auch in der Schweiz noch nicht in der Breite vertreten.
Andi: Vielleicht eben nochmal kurz auf das Vehicle-to-Load. Also das ist ja eigentlich, ich hab mein Auto, bin irgendwo in einer Pampa, sag ich mal, draussen, hab vielleicht mein E-Bike dabei. Warum auch immer noch nicht genau. Oder nachher, wenn ich fertig bin, halte ich meinen Grill an und lad dann, kann eigentlich mit meinem Elektroauto lad ich mein E-Bike zum Beispiel auf. Oder betreibe meine Soundanlage zum Beispiel. Das wäre Vehicle-to-Load. Und Vehicle-to-Home, das wäre eben, was Wilma so angesprochen hat, wenn ich das Auto zu Hause an meine bidirektionalen Ladestationen anstecke, kann ich damit die Waschmaschine betreiben zum Beispiel, oder? Ganz genau. Das sind eigentlich so die zwei Anwendungen und das Vehicle-to-Grid, also Grid ist ja dann das Stromnetz, das ist das, was du jetzt angesprochen hast, damit wird es dann so richtig interessant eigentlich, oder, wenn ich quasi dann den Strom auch ins Stromnetz zurückspeisen
Reto Baschera: kann, oder? Ganz genau. Und das ist, wenn man die Länder anschaut, wie Dänemark oder Holland, die sind weiter in diesem Bereich. Warum? Trieben natürlich auch durch die erneuerbaren Energien. Die erneuerbaren Energien, die oftmals bei der Sonne übermittags peaken oder beim Wind, wenn es windet. Sie brauchen vielmehr die Fähigkeit, Lasten oder Strom zu übernehmen, wenn es viel windet, aber auch zurückzugeben, wenn es nicht windet. Das kann man im kleinen Fall anschauen, wie man es beim Eifirmalierhaus mit der PV besprochen haben vorher. Oder man schaut es im Grossen an, wo man sagt, wir verhängen das ganze Netz an Stabilisieren über die Autos, die draussen sind. Weil die Mengen, also die Batteriegrössen, die sind enorm, wenn man die zusammenrechnet, wenn sich die Elektromobilität weiter ausrollen tut.
Andi: Und das heisst eigentlich, wir kommen dann gleich dazu, was da noch für Hürden sind, woran es im Moment noch scheitert. Aber im Prinzip in Zukunft heisst das eigentlich für Kundinnen und Kunden, die eine PV-Anlage haben und auch eine entsprechende Station und ein Elektroauto, Die müssen dann quasi gar keinen Strom mehr gross beziehen aus dem Stromnetz. Also die sind dann quasi wie energieautark, wie man so schön
Reto Baschera: sagt. Im besten Fall ist es so. Also man tut eigentlich seinen Eigenverbrauch, wie man das nennt, erhöhen und kann durch das auch sehr sehr günstig schlussendlich seine verschiedenen Anwendungsfälle von Mikrowellen über den Fernseher bis vielleicht hat auch jemand einen Pool draussen schlussendlich nutzen.
Wilma: Ja, ich musste eben daran denken, als du das mit «Vehicle to Load» gesagt hast. Was braucht es denn dafür? Ich stelle mir das jetzt vor, ich bin unterwegs. Wie kriege ich dann quasi die Elektrizität aus dem Auto in mein E-Bike? Ich
Reto Baschera: glaube, das ist sogar noch der einfachste Fall. Das kennen wir eigentlich sogar schon vom Verbrenner her. Da gab es ja diese Zigarettenbuchse. Da
Wilma: konnte
Reto Baschera: man auch so ein 12-Volt-Stecker einstecken. Oder man konnte sein Handy laden, kann man heutzutage sehr oft einfach reinlegen und das sind Induktionsfelder. Das ist ein relativ einfacher Fall, wenn ich jetzt hier irgendwo mein Bike anschliessen will, muss ich vermutlich irgendwo eine Steckdose haben in diesem Auto drin. Hat es teilweise. Hat es teilweise auch. Also das ist ein relativ einfacher Case und das können die meisten Autos heutzutage eigentlich schon. Gewisse sind einfach unterschiedlich ausgerüstet von der Infrastruktur
Andi: her. Also für manche weiss ich eben, so zum Beispiel Ford, der eine Pickup ist zwar nur ein Plug-In, der Ranger PHEV, der hat zum Beispiel eine Steckdose hinten direkt auf der Lade. Fläche, wo ich dann so Bohrmaschinen oder wenn ich im Wald bin, dass ich da gerade arbeiten kann. Und andere Hyundai und so. Ich glaube, du kriegst da einfach so einen Adapter und den steckst du in die Ladebuchse und da kannst du dann, das ist dann auch wie eine Steckdose, steckst
Wilma: den
Andi: einfach direkt
Reto Baschera: ein.
Wilma: Also wirklich klassisch Powerbank. Wie früher. USB-Stick rein oder USB-Seite rein. Okay.
Reto Baschera: Und das ist auch relativ einfach. Du brauchst nicht viel Logik. Du wirtschaftest ein bisschen Strom.
Wilma: Ja, du hast gesagt, es gibt gesetzliche Hürden, aber es gibt natürlich auch technische Hürden. Was sind da so die grössten, im Moment noch?
Reto Baschera: Also, ich glaube mal, wenn man das jetzt nur im Einfamilienhaus-Fall anschaut, der ist relativ einfach, weil es sind nicht viele Komponenten, die miteinander reden müssen. Wenn wir aber für Vehicle-to-Grid, das wir vorhin auch schon angesprochen haben, das anschauen, dann wird es komplexer. Wir haben einerseits das Netz, das kann von Swissgrid oder Verteilnetzbetrieben kommen, die sagen, ich will Strom haben oder ich will Strom abwerfen in dem Moment. Ich habe irgendwo die Komponenten von Ladestationen, ich habe aber auch ein Auto, ich habe vielleicht noch ein Energiemanagementsystem dazwischen und diese Komponenten müssen miteinander sprechen können. Und wenn ich von reden spreche, dann meine ich nicht von Sprachen, sondern dann geht es im technischen Sinn um Protokoll. Und wenn wir das kurz anschauen, oder vielleicht mögen ihr euch noch erinnern an Mobilfunk. Mobilfunk, so 1998, wenn man da aus der Schweiz in die USA geflogen ist, dann hat auf einmal das Handy nicht mehr funktioniert. Warum? Das waren unterschiedliche Frequenzbereiche, die genutzt wurden und so weiter und so fort. Und es hat die GSM gebraucht, also die Global Solution for Mobiles, die eigentlich die Standards eingeführt hat. Und gesagt hat, so reden alle diese Komponenten miteinander. Heutzutage steigt ihr irgendwo mit dem Flieger in den USA aus. Es funktioniert euer iPhone oder euer Android-Gerät. Das spielt keine Rolle. Es funktioniert. Und dieser Schritt ist in der Elektromobilität noch nicht passiert. Da gibt es Vorhaben in diese Richtung. Aber es geht jetzt wirklich darum, dass man sagt, man einigt sich zwischen der Ladestationhersteller, zwischen den Backend-Betreibern, zwischen den Netzbetreibern. Was ist die Sprache, in der man miteinander spricht? Das muss passieren. Und der zweite Punkt ist natürlich auch klar, es muss alles digitalisiert sein. Also wenn da analoge Komponenten drin sind, also keine Smart Meters und so, dann wird das auch nicht funktionieren. Da muss noch einiges passieren, dass das wirklich in dieser ganzen Kette auch funktionieren kann.
Wilma: Seid ihr da involviert, so etwas voranzutreiben? Das
Reto Baschera: sind wir natürlich involviert. Zum Teil ist das von Verbänden aus, zum Beispiel auch Swiss Immobility, die solche Themen treibt. Zum anderen Teil ist das auch von privaten Initiativen. Wir sind im Vorstand von Swiss Immobility auch dabei und unterstützen diese Vorhaben, unterstützen auch diese Regulierung. Im Endeffekt ist das natürlich ein Kampf, wer setzt sich da durch. Aber wir alle brauchen diese Standards. dass wir uns als Branche entwickeln können und dass solche Sachen möglich werden. Weil sinnvoll
Andi: ist es. Du sagst, ihr seid in den Verhandlungen, in den Abklärungen. Was sind denn da so die Zeithorizonte, von denen man spricht, bis das irgendwann mal möglich sein
Reto Baschera: könnte? Technisch ist es ja heute schon möglich. Es gibt auch schon Hersteller, die das heute schon anbieten. Ganz oft ist es der Einfamilienhaus-Case, den man heutzutage sieht. Wir sehen aber auch andere Länder, wie Holland oder Dänemark, die einen Schritt weiter sind. Ich gehe davon aus, dass das in den nächsten 3-5 Jahren Standard werden wird. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass die Autos bereit sein müssen. Die Ladestationen können das heute noch nicht. Es gibt solche, die das heute auf dem Markt können. Die sind noch relativ teuer. Wir sprechen hier von 3'500 bis 7'800 Franken, die so eine Ladestation kosten. Kosten sie jetzt? Kosten sie aktuell. Eine Standardladestation ist heute zwischen 500 und 1'000 Franken. Eine, die nur ich einrichten im Laden kann. Darum wird es schon noch einen Moment dauern, aber durch die Skala werden die Ladestationen nachher schlussendlich günstiger werden. Was man nicht vergessen darf ist, es gibt aber auch Zwischenschritte. Das bidirektionale Laden ist wirklich ein Endgame. Aber man kann auch jetzt schon in Richtung Smart Charging gehen. Was heisst das? Meine Ladestation lädt nur dann, wenn sie z.B. P-Fast rum hat. Auch das ist ein Mehrwert. Das heisst, ich bezeuge nicht Strom aus dem Netz, ich nehme nicht den teuren Strom, sondern den günstigen Strom. Das ist heute schon umsetzbar, das ist heute schon marktreif und in der Breite schon verfügbar.
Wilma: Ist dann die normale Wallbox? Geht das damit oder muss ich für den Zwischenstab auch schon mal wieder aufrüsten und eine andere Wallbox kaufen?
Reto Baschera: Also Smart Charging geht mit vielen, vielen Wallboxen, die heute im Markt sind. Da geht es dann mehr darum, was habe ich für ein Lastmanagement, was habe ich für ein Energiesystem. Weil die Wallbox muss ja wissen, ob die Sonne scheint. Die sieht das nicht, die ist im Keller drinnen. Das heisst, da muss irgendwo eine Kommunikation stattfinden zwischen diesen zwei Systemen. Aber die Wallbox kann das im Normalfall machen. Aber die wenigsten Wallboxer können bidirektional raten. Das ist eine andere Technologie, die da genutzt
Andi: werden muss. Vor ein paar Jahren gab es nur ein oder zwei Modelle. Ich glaube, Sun2Wheel, das war von Piferetti aus dem Tessin, der das mit vorangetrieben hat. Die hat aber 12'000 oder 13'000 Franken gekostet. Wenn du sagst 5'000 bis 7'000, das war jetzt schon mal ein bisschen... bisschen tiefer und irgendwann wird wahrscheinlich jede Wallbox, die auf dem Markt ist, dann so Standard mit bidirektionaler Ladetechnik ausgestattet.
Reto Baschera: Also das wird noch einen Moment gehen. Perspektivisch ist natürlich das Ziel, dass wir da hin kommen. Auch versammelt mit Wheel, Schweizer Unternehmen, Schweizer Start-up, unter anderem ein TCS ist dort auch involviert. Die sind jetzt auch nicht mehr bei den 13'000-14'000, die sind jetzt auch schon günstiger geworden, sind vielleicht etwa bei 8'000. Es gibt andere Hersteller, die eben auch schon zwischen 4'000 und 5'000 Franken Produkte am Markt haben. Aber je mehr eben die Technologie maturer wird, die Skalen auch kommen, desto günstiger werden die Produkte auch werden in den nächsten Jahren.
Wilma: Die Amag bietet ja glaube ich auch schon mittlerweile was an. Ganz genau. Ich glaube hauptsächlich für die VW und Skoda Modelle.
Reto Baschera: Das ist nicht zufällig. Nein, das ist ja so. Die Amag steht sicher für ihre eigenen Produkte, auch in Kombination mit der Helion, am Schritt machen. Auch dort ist es spannend, wo man sieht, sie begrenzen zum Beispiel die Zyklen, die man zulädt. Ich glaube bei 9'000 oder 10'000 Zyklen wollen sie nicht mehr als das. Also man merkt, viele sind am ausprobieren, auch wir sind am pilotieren und zum herausfinden, was bedeutet das, was ist der Einfluss auf die Batterie ganz genau und so weiter und so fort.
Andi: Aber wenn ich das jetzt richtig verstehe, also wenn ich mir jetzt heute schon so eine Bidirektional-Ladestation kaufe, dann ist die eigentlich Vehicle-to-Home. Das funktioniert heute. Vehicle-to-Grid, das dauert noch ein bisschen,
Reto Baschera: oder? Das ist so. Also der Vehicle-to-Grid-Aussatz, das ist eigentlich... Wenn man aus Privatkundensicht schaut, ist die Hardware eigentlich die gleiche. Ich habe das gleiche Auto und die gleiche Ladestation. Aber die Matching muss dann irgendwo hinten dran stattfinden, dass man sagt, ich habe die Informationen aus dem Netz heraus, dass sie Strom wollen oder dass sie keinen Strom wollen. Aber dann wird es auch irgendwann darum gehen, was kriege ich denn für einen Preis über, wenn ich das mache. Da geht es auch um kommerzielle Aspekte und da können wir irgendwann wieder die Frage stellen, wie wir es vorhin angesprochen haben, von steuerlichen Elementen. Wenn ich aus dem ein Geschäft mache, muss ich dann Mehrwertsteuer auf diese Zahl oder nicht? Also das wird noch einen Moment dauern, bis wir wirklich sagen, wir sind «Vehicle-to-Grid-Ready» in der Schweiz. Da geht es nicht nur um meine Infrastruktur, sondern in der Schweiz muss «Vehicle-to-Grid-Ready» werden.
Andi: Aber du hast gesagt, andere Länder gibt es schon, wo das schon so weit ist. Also wo Vehicle-to-Grid schon Realität ist. Wo es deutlich
Reto Baschera: weiter ist. Hängt auch zusammen, wie du vorhin gesagt hast, mit den Erneuerbaren, die dort stärker sind. Hängt aber auch mit der Liberalisierung des Strommarktes zusammen. Wo einfach die ganze Wende, die ganze Digitalisierung auch schon deutlich weiter ist als noch in der Schweiz.
Wilma: Wir haben jetzt immer von dem Klassischen, wie gesagt, wirklich Eigenheim und dann das E-Auto dazu. Es wird wahrscheinlich technisch auch noch mal schwieriger werden, wenn es dann die Sammelgarage ist, im Mehrfamilienhaus, wo die Wohnung nur gemietet ist und so. Gibt es da schon Ansätze dazu, in welche Richtung das gehen soll?
Reto Baschera: Ja, das ist genau so. Man kann das wie eine Drehstufung anschauen. Das Einfamilienhaus ist das einfachste Vehikel. Die Königsdisziplin und der Mehrfamilienhaus-Case sind dazwischen. Warum? Jetzt haben wir PV wieder auf dem Dach, jetzt haben wir aber vielleicht 40 Autos im Keller. Welches Auto bekommt genau den Strom? Und am Abend, wenn es darum geht, den Strom zurückzugeben, welches Auto gibt das dann zurück? Und wer darf jetzt das Geld damit machen? Weil ich gebe ja das Geld zurück, wenn ich vielleicht dafür den Strom günstiger bekomme. Oder ich bekomme sogar Geld, wenn ich den Strom zurückgebe. Und das heisst, neben den technischen Elementen, das heisst, ich muss das besser steuern können über die Lasten, also die elektronischen Lasten, die ich in dem Moment habe, gibt es dann eben auch kommerzielle Fragestellungen, die eben so um einen Fall kommen. Und dann wieder Abrechnung. Also irgendjemand muss wieder abrechnen. Das musst du im Einfamilienhaus natürlich nicht. Also es gibt deutlich mehr Fragestellungen, die oftmals nachher daherkommen in dem Mehrfamilienhaus-Fall.
Andi: Jetzt sind wir schon gerade mittendrin. Die Herausforderung für euch als Energieunternehmen? und für die Netzbetreiber. Vielleicht kannst du da mal ein bisschen tiefer in die Materie gehen, wo da wirklich, was da alles noch nötig ist, damit die Technik dann irgendwann flächendeckend kommt.
Reto Baschera: Ja, wir in unserer Rolle, wir sind ja weder ein Fernnetzbetreiber, noch sind wir ein Stromproduzent. Das heisst, das sind eher die klassischen EWs, die die Herausforderungen haben. Und gewisse sind dort weiter als andere. Und ich meine, der erste Schritt ist wirklich das Smart-Meteor-Rollout. Wir müssen die Digitalisierung des Stromnetzes haben. Das ist die Basis, die es braucht, dass man überhaupt wieder miteinander sprechen kann, dass die Systeme miteinander sprechen können. Das wäre dann so ein Smart-Grid, sagt man dann. Das ist ein Smart Grid, welches auch eine gewisse Voraussetzung ist, dass die verschiedenen Ebenen von diesem Stromnetz miteinander sprechen können und dass die Ladestation oder das Auto die Informationen überhaupt bekommt, um das zurückzugeben. Das sind gewisse EWs, die weiter sind und gewisse sind auch mitten in diesem Rollout. Und nachher muss man natürlich auch die Intelligenz haben, dass man auf diesen 15-Minuten-Takt Informationen auch hin und her geben kann, dass die verschiedenen Komponenten wissen, wer was braucht. Und das Ganze ist natürlich unterlegt mit auch Preispunkten. Also, wann kriege ich welchen Preis? Weil das wird alles viel dynamischer werden als heute noch. Heute haben wir relativ stabile Strompreise, aber das wird deutlich dynamischer werden und dadurch gibt es auch in Zukunft mehr Anreize. Wenn z.B. in einer Winternacht der Strom sehr teuer ist, zu sagen, ich gebe gerne 20 kWh zurück, weil ich sogar Geld dafür
Andi: bekomme. Aber ist das in der Schweiz vielleicht auch so kompliziert? Weil hier sind ja wirklich teilweise von Gemeinde zu Gemeinde die Strompreise anders. Spielt das da auch irgendwie rein, dass der Schweizer Markt da auch einfach so komplex ist für das Thema?
Reto Baschera: Ich würde mal sagen, es hilft nicht. Sehr
Andi: vorsichtig ausgedrückt, ja.
00:20:37: Porsche präsentiert Elektrogeflüster. Faszination Sportwagen. Elektrifiziert.
Andi: Also da müsste auch noch was passieren, eurer Meinung nach, oder was?
Reto Baschera: Für uns als Anbieter von Elektro-Stationen, Elektro-Ladestationen, um diese Mobilitätswände zu schaffen, ist es natürlich nicht einfach, wenn du jeder Gemeinde wieder mit jemand anderem reden musst. Jeder hat seine eigenen Prozesse, jeder hat seine eigenen Logiken, jeder hat seine eigenen Preise, was jetzt das kostet bei ihm. Das macht es definitiv nicht einfacher. Aber das können wir auch nicht verändern. Schlussendlich ist das der politische Wille. Aber die Frage wird natürlich auch sein, wie man die Digitalisierung so verargumentieren kann, wie man seine eigenen Lösungen bauen kann. Wir haben natürlich ein grosses Interesse, dass es durchgehend standardisierte Lösungen gibt, auch da wieder Standards reinkommen, auf die man aufsetzen kann. Und dann kann man auch damit
Wilma: arbeiten. Aber hakt es wirklich an diesem Klein-Klein in der Schweiz, dass jeder so seine Sachen macht? Ist das jetzt gerade die grösste Herausforderung?
Reto Baschera: Nein, das würde ich nicht sagen. Aus unserer Perspektive ist das Recht auf Laden, die Emotion, das ist ein ganz wichtiges Element. Denn bidirektionales Laden ist nicht der Hauptcase im öffentlichen Laden. Wenn ich schnell lade, dann will ich Strom. Dann will ich den Strom zurückgeben. Das heisst, die zwei wichtigsten Anwendungsfälle sind die Immobilien. und ist dort am Arbeitsplatz. Das sind die zwei wichtigsten, die es eigentlich gibt. Und gerade im Bereich der Immobilien ist heute eines der grossen Herausforderungen, dass die Mieter nicht an die Ladestationen kommen. Das verhindert teilweise auch noch wirklich den Rollout der Elektromobilität. Und dort ist es wichtig, dass auch wenn die Immobilienbesitzer hingehen, dass sie gerade in Lösungen investieren, die auch ein bisschen nachhaltig sind. Dass man zumindest Smart Charging schon mal einbaut, dass man ein sauberes Lastmanagement einbaut und so weiter und so fort. Darum, ich muss sagen, im öffentlichen Laden ist die Herausforderung vermutlich mehr mit den verschiedenen lokalen Players, die es da gibt. Im privaten Laden ist es mehr mit den Immobilienbesitzern im Moment. Und wie gesagt, man muss nicht schon auf bidirektionales Laden gehen im Moment. Man kann auch zwischen die Schritte machen in die Richtung.
Wilma: Du sprachst gerade das Recht auf Laden an, hatten wir auch schon öfter angesprochen. Und schlussendlich ist es ja nicht, dass der Vermieter das tun muss, sondern es ist die Duldung des Vermieters, dass es eine Wallbox oder eine Ladestation halt geben darf. Es wäre aber dem Vermieter ja, sag ich mal, zuzutragen, dass er selber installiert alles, weil er sein Stromnetz im Haus dann einfach dementsprechend anpassen kann. Das kam mir gerade noch so in den Sinn. Was braucht es da dann in so einem Mehrfamilienhaus? Wie gross ist der Aufwand für so einen Inhaber so eines Hauses, der sagt, okay, wirklich, ich führe dieses bidirektionale Laden bei mir jetzt ein. Du hast gesagt, es geht um Abrechnung, Digitalisierung und es sind ja riesen Aufwände.
Reto Baschera: Das sind Aufwände, die man nicht alle gleichzeitig machen muss. Wenn ich z.B. eine Immobilie habe, und ich habe vielleicht 100 Parkplätze dort, dann muss man nicht am ersten Tag überall eine Ladestation durch. Was ich jedem empfehlen würde, ist, dass er ein grundsätzlich sauberes Setup macht. Dass er sagt, wir haben ein sauberes Lastmanagement, wir verstehen unser Energiemanagement im Haus. Also ich würde nicht einfach irgendwo eine Ladestation anschrauben und los geht's. Ich würde ein sauberes Setup machen. Aber man kann auch mal mit 5-10 Ladestationen starten. Dann kann man das über Flachbandkabel einfach erweitern und weitere hinzufügen. Also von dem her schrittweise reingehen, einen sauberen skalierenden Setup wählen. Und dann kommt das gut. Also es ist keine Raketenwissenschaft. Da gibt es wirklich genug Unternehmen in der Schweiz, die da beraten können. Es können auch gute Elektriker beraten, wie man so etwas macht. Und das ist natürlich auch ein Bereich, in dem wir tätig sind.
Andi: Du hast das vorhin angesprochen, dass ich quasi den Strom bei meinem Arbeitgeber beziehe. Ich fand das noch ein interessantes Beispiel eben. Ich beziehe quasi meinen Strom gratis. Bei Ringe kann ich auch, bei uns in der Tiefgarage kann ich laden und könnte das Auto dann abends bei mir zu Hause anschliessen und speise den Strom und kriege dann wieder Geld, oder? Und da hast du gesagt, steuerrechtlich ist das natürlich auch heikel, Gibt's denn da auch Ansätze, wie man sowas lösen kann? Also ich find das noch... Ich hab mir jetzt grad so zwischendurch, hab ich mir immer so ein bisschen überlegt, wie will man das denn lösen? Also... Weiss man da schon Lösungen, wie das einst geregelt
Reto Baschera: werden könnte? Ich glaube noch nicht, dass die da sind. Im Grundsatz ist das eigentlich etwas, was sehr sinnvoll ist, weil am Mittag oder am Tag durch haben wir am meisten Strom. Gerade im Industriebereich haben wir riesige PV-Anlagen, die in der Tendenz einen Überschuss produzieren. Und dass dort die Mitarbeiter sagen, wir nehmen den Strom und wir nehmen ihn relativ günstig. Das ist sehr, sehr sinnvoll. Dann können wir eben wirklich den erneuerbaren Strom auch nutzen. Wie man das genau löst und wie auch die Abrechnungsmechanismen funktionieren, weil im Endeffekt könnte man ein Business daraus machen. Jetzt habe ich nicht nur mein Auto, sondern ich habe auch noch einen Anhänger mit ganz vielen Batterien hinten drin und lade die auch noch alle auf. Ich glaube im Endeffekt ist das auch wieder eine gewisse politische Diskussion und da ist die Legislative und die Exekutive gefragt, wie setzt man so etwas um? Braucht es da eben so Abrechnungssysteme, die im Hintergrund automatisiert laufen? Was passiert, wenn ich es für mich nutze? Was ist, wenn ich es in meinem Mehrfamilienhaus jemand anderem gebe oder verkaufe? Ist das noch okay? Oftmals dreht der Strom ja nicht über das EW, sondern der Strom geht gar nicht aus meinem Haus raus. Aus meinem Mehrfamilienhaus. Und wie finde ich raus, wem habe ich was gegeben? Also es gibt noch ein paar interessante Fragestellungen zu lösen. Aber eigentlich ist das sehr, sehr sinnvoll. Strom zu nehmen, wenn viel verfügbar ist, und zurückzugeben aus dem Auto, wenn der Strom teuer ist oder eben nicht verfügbar ist. Das macht Sinn.
Andi: Du kannst es sicher beantworten, auch wenn du jetzt nicht von einem Netzbetreiber bist, aber wieso ist es heute eigentlich noch so? Tagsüber ist der Strom ja immer teurer, also in der Schweiz zumindest, als wenn ich nachts lade. Aber mittlerweile eben mit dem ganzen Photovoltaik und so langsam müsste es ja eher umgekehrt sein. Wieso ist der Strom eigentlich nicht günstiger am Tag, wenn die Sonne scheint? Als in der Nacht, wenn sie eben nicht scheint. Windräder haben wir ja eh nicht viel in der Schweiz.
Reto Baschera: Also das ist am Drehen. Es gibt auch erste Schweizer EWs, die das anfangen, ihren Kunden anzubieten. Dass sie eben auch dynamischere Tarife haben. Und wenn wir ins Ausland schauen, wir können auch mal das Beispiel Holland nehmen, ist das überhaupt nicht mehr so. Ich war vor zwei Jahren bei einem Freund. Er hat auch ein Elektroauto in Holland. Er hat ein Haus dort. Er wusste, am Mittag bekomme ich einen Stromtarif von 5-6 Cent. Er hat dann natürlich gesagt, mein Auto soll dann laden. Am Abend war es aber 87 Cent. Du hast wirklich die Schwankungen im Tag drin. Es war ein schöner Sommertag. Es gab viel PV-Strom und Wind. Dann ist der Preis wirklich sehr, sehr tief. Das wird in der Schweiz hoffentlich auch passieren. Wir sind sicher in dieser Liberalisierung des Strommarkts noch nicht so weit, wie andere Länder das sind. Aber das wird irgendwo auch kommen. Und wir müssen auch den Privatkunden so inzentivieren, dass er den Strom nutzt, wenn er auch verfügbar ist. Und es ist ein Fakt, dass wir im Sommer mit der Erneuerbaren einen deutlich günstigeren Strom haben, als im Winter in der Nacht. Wir kaufen ja oft zum Flauen-Spot-Markt unseren Strom ein. Und dort ist es jetzt schon so, dass die Strompreise stark schwanken, je nach Saison, aber natürlich auch je nach Tageszeit.
Andi: Und dann haben wir eben das, wenn einst diese Technik wirklich etabliert ist, das bidirektional laden, eben sage ich mal, alle laden ihre Autos schön günstig mittags auf oder über den Tag über und nachts eben, wenn dann vielleicht nicht mehr so viel, eben wenn natürlich die Sonne nicht mehr scheint, wenn wenig Strom verfügbar ist, dass eben, wenn die Autos alle am Stromnetz sind, dass sie dann quasi als virtuelles Kraftwerk, davon spricht man ja immer, dass quasi 100.000 Elektroautos können dann das Stromnetz stabilisieren. Das wäre ja eigentlich ideal, oder?
Reto Baschera: Das ist genau die Idee. Und dort wollen wir auch hin. Und für das braucht man genau wieder die Standardisierung, dass sie eben auch alle miteinander reden können. Und ich glaube sogar, wir werden, müssen dorthin kommen, dass diese Wende, diese Dekarbonisierung auch klappt. Wenn man einfach jeden Abend um 6 Uhr nach Hause kommt, einsteckt und vollsaugt, das wird unser Stromnetz nicht über die Dauer aushalten. Das ist ein Punkt. Und der zweite Punkt ist, wir müssen auch viel zu viel verbuddeln. Also es hilft uns auch, dass man das ein bisschen smarter macht und dass man dann züchtet, wenn es wirklich Strom verfügbar ist und auch dann zurückgibt, dass der Kraftwerksgedanken, wenn das Netz das braucht oder mein Haus das braucht, um eigentlich weniger Infrastruktur bauen zu können. Das heisst, wir machen es mit weniger Infrastruktur und dafür mit mehr Intelligenz
Andi: eigentlich. Es gab ja schon erste Projekte, ich glaube von Honda und Ein paar Honda-E-Satteln, ich glaube mit Mobility.
Reto Baschera: Mit Mobility hat er ein Projekt gemacht. Es gibt auch den Senior Startup Hive Power, der in diesem Bereich tätig ist. Da läuft einiges. Wie gesagt, es sind viele Themen momentan im Pilotstatus oder auch im Feldtest. Da darf man auch gerne ins Ausland schauen, wo einige Sachen schon weiter sind. Aber in diese Richtung müssen wir gehen. Wir werden viel über intelligentere Lösungen lösen müssen und nicht nur über mehr Buddeln.
Wilma: Ich würde gerne noch mal auf das Auto selbst. Wir haben jetzt viel über Stromnetze gesprochen. Auch auf das Auto selbst zurückkommen. Erstmal muss das natürlich die Voraussetzung mitbringen, dass man es bidirektional laden kann. Das werden wahrscheinlich alle neueren Modelle mittlerweile tun können, gehe ich von aus, die jetzt auf den Markt kommen.
Reto Baschera: Das ist leider noch nicht so. Es ist sicher ein guter Teil da, wo das kann, aber es gibt auch diverse, wo es nicht kann. Wie gesagt, mein Auto, erst zwei Jahre alt, kann es nicht. Also gar nichts von den drei Anwendungsfällen, die wir Für das Auto ist das alles der gleiche Anwendungsfall. Die Frage ist, kann das Auto den Strom so zurückgeben?
Andi: Aber es gibt ja manche, die können nur Vehicle-to-Home und manche sind auch schon Vehicle-to-Grid vorbereitet, oder?
Reto Baschera: Das gibt es schon auch, oder? Es gibt so Zwischenschritte. Aber ich sage mal, voll, bidirektional, ready sind heute längst nicht alle und vor allem nicht alle, die im Bestand sind. Aber ich bin überzeugt auch dort, die immer mehr Autos, gerade auch die chinesischen Autos, die kommen, die sind oftmals genau bereit für das. Und ja, da wird einiges passieren, nächstes Jahr auch noch. Aber es ist immer schön angeschrieben auch, da kann man sich beim Kaufen sehr gut informieren, ist mein Auto ready für Sachen.
Andi: Was wundert mich jetzt bei deinem, du hast ja ein Amag-Produkt. VW und Skoda können das ja zum Beispiel schon, die Autos, oder?
Andi: Du hast jetzt keinen VW und Skoda, du hast ein anderes Amag-Produkt, du hast ein Audi. Das wundert mich, dass der das nicht kann. Ja, der kann das nicht. Okay, das ist noch interessant. Obwohl es ja aus einem Konzern letztlich ist.
Reto Baschera: Da bin ich jetzt der falsche Gast für diese Frage.
Wilma: Aber auch nochmal auf die Batterie, weil du hast das eben, wir sprachen ja eben schon über die AMRAG, die das dann auch so beschränkt. 9'000 oder 10'000 Ladezyklen. Hat das einen Grund? Hat man festgestellt, schadet das der Batterie? Oder wie weit ist man da?
Reto Baschera: Also es schadet der Batterie weniger, als man denkt. Man spricht von ein paar Prozent der Leistung, die sie über sehr viele Ladezyklen einbüssen tut. Ich glaube, wichtig ist, dass man da vielleicht kein falsches Verständnis hat. Man spricht nicht davon, dass die Batterie auf 100 Prozent ist und nachher wird sie leer gesaugt auf null, sondern man spricht ganz oft davon, dass es etwa 10 bis 15 Prozent, vielleicht auch 10 bis 15 Kilowattstunden oder 10 bis 15 Prozent der Batterie Leistung, die man dort wegnimmt. Das ist nicht wahnsinnig viel und das tut der Batterie auch nicht wahnsinnig weh. Das heisst, ja, es hat einen Einfluss auf die Lebensdauer der Batterie, aber sie ist überschaubar und man ist natürlich genau solche Elemente momentan auch am testen. Also ich glaube, da werden jetzt auch Lehren daraus gezogen, die Batterien werden weiterentwickelt, die werden auch mehr optimiert werden für den Case. Heute sind die Batterien so gebaut, dass sie ideal sind zum Fahren. dass man viel und schnell Leichtigkeit prüfen kann. Und die Batterien werden auch weiterentwickelt, damit man eben auch den stationären Use Case noch besser unterstützen
Andi: kann. Also da müssen die Hersteller auch aktiv eingebunden werden, weil die können ja dann noch sagen, also mit unserem Auto, das darfst du nicht als für den Anwendungsfall, für speeddirektional laden als grosse Batterie zu Hause, darfst es nicht nutzen, weil du dann immer wieder lädst und entlädst. Wobei, da sind die Ladeströme natürlich auch sehr gering, also da lebt man ja nicht mit 400 kW rein und raus, das sind ja dann meistens 11 oder 22 kW oder so.
Reto Baschera: Ja, es gibt AC und DC bidirektional und eigentlich ist es für eine Batterie Aber auch für die Verluste im sogenannten Roundtrip, also sowohl im Laden als auch im Zurückgeben, verliert man leicht an Energie. Das ist das Effizienzverlust. Und das sogenannte DC, also das Gleichstrom bei Direktionalen, ist eigentlich besser für das Auto und für die Batterie. Das heisst, die Technologie wird sich vermutlich eher in diese Richtung entwickeln, dass das so möglich wird.
Andi: Stimmt, ich glaube das ist ja auch noch so ein Ding, weil die Batterien im Elektroauto laufen über DC, richtig?
Reto Baschera: Es gibt eine Wechselrichtung, die ja noch dazwischen ist, die im Auto drin ist, wo DC auf AC übersetzt wird. Genau,
Andi: weil der Haushalt läuft über AC. Richtig. Deswegen sind die Stationen auch noch so teuer. Es gibt
Reto Baschera: AC-Bidirektional, das ist etwas günstiger, aber nicht ideal. Und es gibt DC-Bidirektional, das technisch besser ist, das sich vermutlich auch durchsetzen wird, aber teurer ist und man weniger von den sogenannten Roundtrip-Verlusten hat, die Strom erzeugen.
Wilma: Wir haben eben gesagt, es braucht intelligente Lösungen, auch was das ganze System betrifft. Damit habe ich jetzt sichergestellt, dass ich nicht morgens, wenn ich dann zur Arbeit fahren will, mein Auto quasi leer ist.
Reto Baschera: Ja, genau. Also ich glaube, man wird das auch so lösen, dass man sagt, hey, ich gebe mein Auto für die nächste Nacht oder für die nächsten zwei, drei Tage frei und es ist auch okay, wenn ich 10% weniger Strom habe. Es ist ganz selten so, dass ich morgen um sechs in der Woche denke, du, heute muss ich jetzt 600 Kilometer fahren. Normalerweise weiss ich ja, wie mein nächster Tag ist. Und wenn ich sage, ich muss den nächsten Tag einkaufen oder 50km fahren, dann reicht mir 60% in meinem Auto. Dann sage ich, ich gebe mein Auto frei für bidirektional und dafür bekomme ich Geld. Also ich habe keinen Anreiz dafür. Oder ich sage, nein, ich muss mein Auto morgen auf 80% haben, dann bin ich vielleicht auch bereit, dafür mehr zu zahlen oder halt eben keine Einnahmen zu generieren aus dem. Aber die Möglichkeit, dass ich sage, ich muss mein Auto um 80 % am nächsten Morgen haben, die muss definitiv gegeben
Andi: sein. Wahrscheinlich kann man das dann einfach eingeben. Hey, morgen früh muss er sicher auf 80 % sein und dann kann es mir dann auch egal sein, was dann zwischendurch passiert. Einfach morgens um 7 Uhr muss er dann auf 80 % sein.
Reto Baschera: Genau, ganz genau.
Wilma: Gibt es schon Berechnungen, was jetzt lukrativer ist? Das Einspeisen ins Netz oder wirklich nur dieses Home-to-Vehicle?
Reto Baschera: Ich glaube, eine der Herausforderungen ist heute, ich habe keinen garantierten Preis, den ich zurückgeben kann. Das ist aber genau ein Teil der Revolution, dass wir stärkere Anreize setzen, an eine Privatperson in so etwas zu investieren. Auch hier werden viele Dinge ausprobiert werden müssen. Das sind sicher die ökonomischen Modelle noch nicht ganz so weit. Auf der anderen Seite eben auch die Technologie, die sich noch entwickeln muss. Ein Einfamilienhausbesitzer ist sehr attraktiv, weil er seine PV und einen hohen Selbstnutzungsgrad hat. Dadurch kann er seine PV schneller amortisieren. Das ist definitiv auch ein Fall, welcher technisch nicht komplex ist und welcher man ausprobieren kann. Mehrfamilienhausfall ist eben wirklich schon ein bisschen komplexer und Vehicle-to-Grid ist noch ein bisschen Zukunftsmusik.
Andi: Kann man denn heute, ist es heute noch gar nicht technisch möglich, dass ich meinen selbst produzierten Strom ins Stromnetz speise oder macht man das schon? Ich kenne mich da wirklich nicht so...
Reto Baschera: Doch, man kann es auch spiessen. Das machen viele. Der Betrag, den man dafür bekommt, ist sehr unterschiedlich. Und es ist auch nicht unglaublich attraktiv. Darum ist es sehr spannend zu sagen, ich erhöhe meinen eigenen Nutzungsgrad. Das ist das Ziel, das man verfolgt. Ich nutze meine PV so gut wie möglich selber. Jetzt ist aber Fakt, wenn es richtig viel Sonne hat, dann habe ich viel zu viel Strom. Und dann speise ich es zurück. Und am Abend, wenn ich vielleicht zuhause bin und meinen Backofen anmache, ist die Sonne schon weg. Dann muss ich wieder aus dem Netz suchen. Das heisst, dann ist es eben auch spannend, wenn ich so Elemente habe, wo ich eine Batterie habe, die das dazwischen speichert. Und dann ist natürlich das Auto perfekt, weil es ist eine riesige Batterie, die dort steht.
Andi: Ich dachte eben, bei so einer Peavey-Anlage ist es eh Standard, dass man wenigstens so eine, ich weiss nicht, 10 oder 20 Kilowattstunden Batterie zuhause, das muss nicht
Reto Baschera: unbedingt sein. Nein, das ist nicht so. Das ist nicht so.
Wilma: Ich kann sagen, mein Vater in Deutschland hat das. Der hat sich seine Anlage oben aufs Dach gebaut und hat dann irgendwann viel zu viel produziert für die beiden, die da noch wohnen. Und hat dann auch angefangen, das einzuspeisen. Er musste halt erst investieren in die Anlage, die musste natürlich aufgerüstet werden. Was ihn am meisten gestört hat, war genau das, was du gesagt hast, das Steuerliche, weil er plötzlich als kleinen Unternehmer galt und eine Umsatzsteuervoranmeldung machen musste.
Andi: Ich glaube da war noch so ein Ding mit Doppelbesteuerung in Deutschland oder so, dass du zweimal für den Strom dann Steuern bezahlt. Aber ich glaube das ist jetzt, ich habe mich ein bisschen eingelesen ins Thema, aber es ist wirklich so mega komplex. Aber ich glaube in Deutschland gibt es jetzt auch neue Gesetze. wo du nicht mehr doppelt bestraft
Reto Baschera: wirst. In Deutschland haben sie auch angefangen, erste PV-Anlagen abzuwerfen oder abzuhängen, damit sie im Extremfall nicht mehr Strom produzieren. Ich glaube, da muss die ganze Branche gemeinsam noch einiges lernen. Und auch für den Autofahrer. Wenn einer von der Petrol-Welt kommt, dann geht er vielleicht alle drei Tage tanken. Bei der Elektromobilität ist es eigentlich sinnvoll, wenn man das, was wir jetzt besprochen haben, ein bisschen rekapituliert, dass man eigentlich immer das Auto ansteckt. Das heisst, wenn ich am Auto, wenn ich zuhause bin, immer anstecken, weil ich kann Strom nehmen oder zurückgeben. Das gleiche auch am Arbeitsplatz. Das heisst, der Ausbau der Ladestationen im privaten Umfeld ist unglaublich wichtig, weil das ermöglicht uns eben genau diese Anwendungsfälle in Zukunft.
Andi: Dann vielleicht noch zum Schluss. Du hast jetzt schon eine kleine Prognose oder noch keine richtige, aber wann denkst du jetzt persönlich, wann können wir das wirklich nutzen, so die Elektroautos mit dem bidirektionalen Laden, dass es wirklich für das Stromnetz, wirklich für Stabilität sorgen könnte? Was denkst du, was ist realistisch? Zeithorizont.
Reto Baschera: Also ich glaube, das Stromnetz, lass uns zuerst mit dem einfachen Fall starten. Ich glaube, Einfamilienhaus kann man heute starten. Das wird uns immer günstiger werden. Da reden wir von Monaten und Jahren. Ich glaube wirklich, bis man anfängt, das gesamte Netz durch das zu stabilisieren, und das in der Masse. Ich rede jetzt nicht von Pilotversuchen, ich rede nicht von Feldversuchen, sondern in der Masse wird es noch einmal drei bis fünf Jahre dauern.
Reto Baschera: Bis die verschiedenen Komponenten dann auch weiter sind und wir auch die verschiedenen Lasten anfangen können zu steuern. Also das Thema wird kommen, da bin ich überzeugt. Andere Länder zeigen, wie man das auch schon besser machen kann. Und ich glaube, da müssen die verschiedenen Akteure der Schweiz jetzt zusammenreissen. Da braucht es eine Politik, die vernünftige Anreize setzt, dass das auch der Bürger, der Elektroautofahrer so machen soll. Es braucht auch die Elektrizitätsunternehmen und die Verteilnetzbetriebe. Es muss aber auch die Komponenten von uns geben, die die Infrastruktur im Elektromobilitätsbereich produzieren. Und dann braucht es die Hersteller der Hardware und die Autos. Die müssen zusammenkommen und diese Elemente zusammenbringen.
Andi: Also Zeitrahmen etwa 20-30, kann man etwa so sagen, plus minus, aber das ist ja... Erfreulich, dass du jetzt nicht sagst, ja das geht jetzt noch mindestens 20 Jahre, bis wir uns da auf irgendwas einigen.
Reto Baschera: Nein, es wird vor deiner Verbindung zu Nerex.
Andi: Okay, dann bin ich froh. Ja super, vielen Dank Reto, dass du uns hier einen kleinen Überblick über das doch sehr komplexe Thema gegeben hast, also ohne Experten. Haben wir uns das nicht getraut, das Thema anzufangen, weil es ist wirklich super komplex, auch mit den Abrechnungen, was alles dazugehört zu der Elektrotechnik. Deswegen herzlichen Dank. Warst du da bei uns im Elektro-Geflüster?
Wilma: Ja, herzlichen Dank natürlich auch von mir, dass du da warst.
Andi: Wir
Wilma: freuen uns wieder
Andi: über viele Kommentare. Lasst Likes da, wenn es euch gefallen hat. Und dann würde ich sagen, danke, Rete, noch mal. Danke, Wilma. Bis zum nächsten Mal. Bis zum nächsten Mal.
00:42:30: Porsche präsentiert Elektrogeflüster. Faszination Sportwagen. Elektrifiziert.
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